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2. Der Geist der Gleichheit
Bereits das Pfingstereignis lässt die grundsätzliche Gleichheit aller Glieder der Urgemeinde erkennen, wenn sie auch verschiedene Dienste in der Gemeinschaft innehaben.
Es sind die elf Apostel, die sich - wie die Apostelgeschichte berichtet - zusammen mit den Frauen und Maria und mit seinen Brüdern ständig im Obergemach, des Abendmahlsaals aufhalten.
Allen ist der gleiche Heilige Geist geschenkt worden. Alle sind zum Zeugnis der Großtaten Gottes ermächtigt und aufgerufen.
Neben der unterschiedlosen Gabe des Heiligen Geistes an alle bewirkt einen weiteren Gleichheitsschub die universelle Bestimmung des Wortes Gottes, von der die Lesung berichtet.Alle sollen Gottes große Taten erfahren, gleich welcher Sprache und damit Kultur sie auch sein mögen. Auch dies zeugt von der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen, denn alle sind unterschiedslos zum Heil berufen.
Die universelle Berufung zum Heil war der Welt des Judentums fremd. Aber auch die Römer müssen sich gewundert haben, dass sie als Angehörige einer Weltmacht gleichrangig neben den Bewohnern vieler kleiner Provinzen aufgezählt werden.
Mir scheint, dass hier ein Quantensprung in der Religionsgeschichte erfolgt ist, den wir nicht hoch genug bewerten können. Es handelt sich um eine völlige Neuheit, dass niemand mehr aufgrund seiner Volkszugehörigkeit oder anderer Merkmale exklusiv zum Heil berufen ist, sondern einzig allein aufgrund seines Menschseins.
Um Heil und Erlösung zu finden, wird ausschließlich seine persönliche Zustimmung zur Person Jesu, zu seiner Sendung und zu seiner Botschaft gefordert. Wie sehr der Gedanke der Gleichheit für Abt Pfanner bestimmend war, geht aus dem Artikel von Sr. Andreas in der neuesten Ausgabe der Kärntner Woche hervor, wenn sie schreibt: „Alle Kolonialherren wund Eingeborenen wollten Schulplätze für ihre Kinder. Für Abt Franz Pfanner galt: Arme und Waisenkinder haben Vorrang vor den anderen. Und es darf keinen Unterschied geben zwischen Farbe und Religion.“
In diesen Zusammenhang gehört auch eine weitere Wirkung des Geistes Gottes: Der Heilige Geist schafft Einheit, er führt die Menschen zusammen, macht aus ihnen eine Gemeinschaft und macht ihnen damit ihre gleiche Würde bewusst. Dieser Gedanke der grundsätzlichen Einheit aller Menschen ist ein positiver urchristlicher Gedanke, der aus der Enge und den Gefahren einer undifferenzierten Gleichmacherei herausführt, indem er für notwendige Aspekte einer wechselseitigen Ergänzung und Bereicherung offen ist.
3. Der Geist der Brüderlichkeit
Die Wirkungen des Heiligen Geistes finden im gleichen Kapitel unserer Lesung einen weiteren Höhepunkt, den wir als Markstein in der Geschichte der Brüderlichkeit ansehen dürfen:
Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem soviel, wie er nötig hatte.
Welche höhere Form an Brüderlichkeit ist vorstellbar als die, die dem Bruder in der Not mit dem Eigenen zur Seite steht?
Diese Brüderlichkeit ist frei von jeder Ideologie eines größeren und kleineren Bruderseins, da sie von der gleichen Würde aller Menschen ausgeht.
Dazu konnten sich die französische Revolution und auch spätere Systeme nicht durchringen, da an die Stelle der ehemals größeren Brüder oftmals nur andere größere Brüder traten.
Die Apostelgeschichte verschweigt die Voraussetzungen dieser Brüderlichkeit nicht: Es sind:
1. Das Festhalten an der Lehre und der Gemeinschaft der Apostel
2. Das Brotbrechen, d.h. die Feier der Eucharistie und
3. Die gemeinsamen Gebete. Alle drei sind als Wirkungen des Heiligen Geistes anzusehen. Es ist der Heilige Geist, der zusammenruft, der Einheit schafft und eine tiefe Gemeinschaft bewirkt, die eine oberflächliche und interessierte Verbrüderung weit hinter sich lässt. Natürlich werden Sie sich fragen, warum ist dieses so kostbare Erbe im Laufe der zweitausendjähreigen Geschichte des Christentums viele Male zurückgedrängt oder gar vergessen worden, ja , warum wurde man ihm teilweise auch untreu?
Darauf gibt es nur eine Antwort: Es ist nicht die Schwäche der Botschaft, sondern die Schwäche der Menschen, die dies verursacht hat.
Es sind der menschliche Hochmut und Eigennutz, die immer wieder das Eigene in den Vordergrund stellen und zu Rückschritten gegenüber dem eigentlich schon Erreichten führen.
Die Trias Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ist mehr als eine politische Deklamation. Sie bringt eine anspruchsvolle Lebensform eines humanen Miteinanders von all denjenigen zum Ausdruck die Menschenantlitz tragen. Und es ist nur gut und recht, wenn wir gelungene Verwirklichungen dieser Trias feiern und deshalb das Missionswerk von Abt Franz Pfanner bedenken und würdigen.
Wir müssen uns heut aber auch fragen, was der Wille des Helligen Geistes ist, wohin er uns führen will. Auch in den dunkelsten Zeiten der Kirchengeschichte ist das Feuer des Heiligen Geistes nie erloschen, ja, es beleuchtet den Missbrauch in grellem Licht.
Der HI. Geist hielt vielen einen Spiegel vor, damit sie erkannten, wie weit sie sich von ihm entfernt hatten. Daher standen immer wieder Männer und Frauen im HI. Geist auf, darunter viele Heilige, und brandmarkten geistfeindliche Bestrebungen und geistloses Tun.
Beten wir in dieser HI. Feier um die sieben Gaben des HI. Geistes, um die Gabe der Weisheit und der Einsicht, des Rates und der Stärke, der Erkenntnis und der Frömmigkeit, sowie die Gabe der Gottesfurcht.
Sie bewahren uns davor, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit eigennützig auszulegen, sie abzugrenzen und einzuschließen.
Beten wir im Zugehen auf das Pfingstfest für unseren Bischof Alois, für seine Gesundheit und Schaffenskraft, dass ihm immer neu Gottes Geist geschenkt werde, unsere Diözese in diesen schwierigen Zeit als Guter Hirte zu führen. Beten wir um eine pfingstliche Erneuerung unserer Ordensgemeinschaften, der Gemeinschaft der Wernberger Missionsschwestern vom Kostbaren Blut und der Gemeinschaft der Mariannhiller Missionare, aber auch aller Glieder der Kirche, dass wir uns alle gegenüber den Gaben des Heiligen Geistes öffnen und ihn selbst noch so verführerischen Weltgeistern vorziehen. Beten wir für unsere Verstorbenen, besonders für die Verstorbenen in der Gemeinschaft der Wernberger Mitschwestern und für die verstorbenen Mitbrüder in der Gemeinschaft der Mariannhiller Missionare und danken wir für alle, die in unseren Gemeinden lebendige Zeugen des Heiligen Geistes waren, die aus ihm lebten und andere durch ihr Beispiel auf ihn verwiesen haben. Amen.
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