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Vor langer Zeit lebte eine alte Frau in einem entlegenen, unfreundlichen Dorf, das an der Seite des Berges klebte. Ihr Benehmen kam ihren Nachbarn recht seltsam vor. Während der strengen Winter suchten die meisten Dorfbewohner Schutz und Wärme an ihren Feuerstellen und pflegten wenig Gastfreundschaft. Sie sprachen kaum mit jemandem außerhalb ihrer eigenen Familie. Der kahle und unfreundliche Berg lud niemanden ein, seine Hänge zu besteigen, selbst nicht in den milderen Jahreszeiten. Nur die Kinder, heimlich und verstohlen, wagten den Seitenweg hinauf zu klettern, ein gefährliches Unterfangen, vor dem sie ihre Eltern warnten.
Bei solch heimlichen Raubzügen trafen sie unweigerlich die alte Frau. Fast immer war sie tief gebückt, grub kleine Löcher in den Boden und ließ etwas hineinfallen. Die mutigeren Kinder fragten: “Was tust Du da, alte Frau?” Ihre Antwort war immer die gleiche: “Ich verändere das Angesicht des Berges.”
Die Kinder wurden erwachsen und die meisten von ihnen verließen das Dorf, um in die Welt der Städte zu gehen. Es geschah aber, dass nach mehreren Jahrzehnten eines von ihnen zurückkam, um ihrem Mann und ihren Kindern die herbe Landschaft ihrer Kindheit zu zeigen, die sie ihnen oft geschildert hatte. Sie kam zurück, aber sie erkannte die Gegend nicht wieder. Eine Vielzahl von Blumen wiegte sich im Wind und ihre leuchtenden Farben brachten den Bergrücken zum Glühen. Büsche und junge Bäume spendeten Schatten mit ihren Blättern und eine Unzahl von Kindern und Erwachsenen waren am Fuß des Berges versammelt. Alle sprachen miteinander, sie lachten und spielten; Familien und Nachbarn hielten gemeinsam Picknick.
Die Frau, die zurückgekehrt war, hielt inne und fragte einen Dorfbewohner: ”Wann ist das alles geschehen? Was ist aus dem kahlen, unfreundlichen Berg meiner Kindheit geworden?” Der Dorfbewohner antwortete: “Kannst Du Dich an die eigenartige, alte Frau erinnern, die hier wohnte; die Frau, die immer den Berghang rauf und runter ging? Sie hat all diese Samen gepflanzt. Jeden Tag ging sie mit dem festen Vorsatz hinaus, zu säen. Sie glaubte daran, dass ihre Arbeit Früchte tragen würde.”
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