Mariannhiller Missionsschwestern vom kostbaren Blut

Unser Ordensleben

“Vor langer Zeit”, so berichtet eine Geschichte, “besuchte Vater Lot den Vater Joseph und sage zu ihm:’ Vater, ich habe die Regel gehalten, auch alle Fasttage, ich habe gebetet und meditiert. Ich habe das Stillschweigen eingehalten und soweit ich konnte, meine Gedanken von Unreinem bewahrt. Was mehr soll ich noch tun?’ Der alte Mönch erhob sich und streckte seine Hände gegen den Himmel, und seine Finger waren wie zehn Feuerflammen anzusehen. Und er sagte, “Warum nicht in Feuer verwandelt werden?”.

Unser Ordensleben, unser Gott-geweihtes Leben, ist ein Geschenk Gottes an jede einzelne von uns und auch an die ganze Kirche (vita consecrata). Das Ziel unseres ganzen Lebens ist es daher, Gott Antwort zu geben auf dieses Geschenk Seiner Liebe zu uns. Wir bemühen uns daher in allem, was wir wirken und in allem, was wir sind, Gott zu verherrlichen und Ihm uns und unser ganzes Leben zurück zu schenken.

Die Suche nach Gott ist ein lebenslanger Prozess, der die Seele prägt, keine kurzatmige Routine religiöser Übungen.

Joan Chittister osb sagt: “Das Ordensleben verlangt zunächst unsere eigene Bekehrung. Es ist der Nährboden, der uns herausfordert, aber uns zugleich auch die Möglichkeit gibt, dass wir dem Geist Gottes, gegenwärtig im Hier und Heute, gleichförmig werden. Im Ordensleben geht es nicht um unser Apostolat, vielmehr geht es um die Bildung unseres Herzens, damit wir das Leben sehen, so wie es ist und dadurch inspiriert werden, anders zu leben.”

In anderen Worten: unser Ordensleben fordert uns heraus, uns mehr und mehr von Gottes Liebe entzünden zu lassen und uns mehr und mehr von ihr verwandeln zu lassen.

Wie unser Gründer Abt Franz sagt: “Gott will, dass Sein Feuer an allen Orten brenne. Eine jede Schwester muss daher eine gute Fackel oder gutes Brennmaterial sein, damit die Flamme hoch auflodere und das Feuer schnell und kräftig um sich greife”.

 

Damit “das Feuer brennt”, brauchen wir ein Gleichgewicht zwischen Zeiten des Gebetes, Zeiten der Arbeit und Zeiten der Freizeit.

Wir treffen uns als Gemeinschaft dreimal am Tag um gemeinsam das Stundengebet der Kirche, die Laudes (Morgengebet), die Terz/Sext oder Non (Mittagsgebet) und die Vesper (das Gebet am Nachmittag) zu beten. Höhepunkt des Tages ist die tägliche gemeinsame Feier der Eucharistie.

Jede Schwester nimmt sich zudem jeden Tag Zeit zu persönlichem Gebet und persönlicher Mediation sowie zur geistlichen Lesung.

Zweimal in der Woche halten wir in der Vesper am Abend stille Anbetung vor dem Allerheiligsten.

Im täglichen Rosenkranzgebet schauen wir besonders auf Maria, die Mutter Jesu.

Sie war ganz offen für Gottes Wirken.

Sie empfing das Wort, nahm Jesus Christus in sich auf, trug Ihn unter dem Herzen und schenkte Ihn uns. Im Schauen auf Maria lernen wir unser eigenes Leben besser zu verstehen. Maria ist uns Mittlerin und Fürsprecherin.

Besondere Zeiten des Gebetes sind für uns auch ein monatlicher Tag der Stille sowie die Zeit der jährlichen Exerzitien.

 

Unser Gebet mündet in unserer Arbeit,

nährt sie, hilft uns kreativ und offen zu sein in den täglichen Anforderungen.

Wir bemühen uns, Gottes Anruf an uns, immer neu zu erkennen und in unserem Wirken darauf Antwort zu geben.

Mit unserer Arbeit und in unserem Gebet setzen wir uns für das Kommen des Reiches Gottes in unserer Welt Raum ein.

In einem Leben nach dem Evangelium und in dem Versuch Jesus immer mehr nachzufolgen bemühen wir uns, uns für die Werte einzusetzen, für die auch Jesus Christus sich leidenschaftlich eingesetzt hat:

  • für die Bekämpfung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit und Ausgrenzung, im Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden
  • für Versöhnung und Dialog
  • für die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Frauen
  • in der Sorge für Kranke, Arme, Alte , Bedürftige und Schutzlose, für Trauernde und Hoffnungslose
  • für alle die suchen
  • für den Schutz und die Bewahrung der Schöpfung
  • in Offenheit und Gastfreundschaft für alle, die zu uns kommen

Wir bemühen uns um einen einfachen Lebensstil und einen respektvollen Umgang mit den uns geschenkten Gütern.

 

Das fürbittende Gebet für alle Menschen, die uns ihre Bitten anvertrauen, ist uns eine besondere Aufgabe.

 

Freizeit ist für uns Geschenk Gottes an uns. Unsere Freizeit gibt uns die Möglichkeit zur Begegnung mit anderen, aber auch zum Ausruhen, zum Kraft tanken, zur kreativen gestalterischen Tätigkeiten, zum Entspannen bei sportlichen Aktivitäten, zum Spiel.

Der bekannte Jesuit Pedro Arrupe hat einmal gesagt:

Nichts ist praktischer, als Gott zu finden;

es bedeutet, sich zu verlieben, absolut, endgültig.

Worin du dich verliebt hast,

das wird deine Fantasie erfüllen, wird alles andere beeinflussen.

Es wird entscheiden,

warum du am Morgen aufstehst,

was du am Abend tust,

wie du deine Wochenenden verbringst,

was du liest, was dir zu Herzen geht,

was dich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt.

Verliebe dich,

bleibe verliebt und alles wird für dich entschieden.

Diese liebende Beziehung zu Gott vertiefen wir durch unsere Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams