|
Ist Ihnen auch aufgefallen wie oft es im heutigen Evangelium ums „Wegschicken“ geht. Die Pharisäer fragen Jesus, ob ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen darf. Die Jünger wollen die Kinder wegschicken, die man zu Jesus brachte.
Wenn ich das heutige Evangelium mit den Augen vieler südafrikanischer Frauen lese, dann steigt die Wut in mir auf. Ich weiß nicht wie viele verlassene, missbrauchte, ausgebeutete Frauen ich in den letzten Jahren in Südafrika, in einem Land mit einer der höchsten Vergewaltigungsrate in der Welt, getroffen habe. Wie viele Frauen im Krankenhaus landen , zusammengeschlagen, ein Kind am Rockzipfel-ohne einen Ort, an den sie zurückkehren konnten. Verstossen, geschlagen, krank. HIV breitet sich vor allen Dingen da aus, wo Frauen kein Mitspracherecht haben, wo Frauen zum Objekt werden, abhängig von Männern, Liebhabern. Das Ergebnis sehen wir im Krankenhaus in Mariannhill täglich: an AIDS sterbende junge Mädchen, kranke Kinder auf ihrem Rücken, Frauen, die die Last der Epidemie tragen. In diese Situation der Ausbeutung spricht Jesus hinein: „… als Mann und Frau hat Gott sie geschaffen“..als gleichgestellte Partner hat Gott die Menschen geschaffen.
Jesus stellt sich der Tendenz des Wegschickes vehement entgegen: niemand darf weggeschickt werden, niemand darf ausgestossen, ausgegrenzt werden, am allerwenigsten die Kinder, die Kleinen, die Schwachen.
Keiner darf zum Objekt des anderen werden. Vielmehr sind wir uns gegenseitig, sind vor allen die Schwachen, die Ausgestossenen uns allen anvertraut
Jesus schickt nicht weg, was anderen zu lästig, zu schwach, zu arm, zu minderwertig ist, sondern „Er nahm sie in die Arme“. Jesus lässt sich berühren, anrühren von der Not.
Und ich? Bleibt es bei meiner Wut? Oder lasse ich mich wirklich tief treffen, von den Schicksalen der Frauen in der Ambulanz? Von der Ungerechtigkeit, der Ausbeutung der Armut,--nicht nur in Afrika, sondern auch hier in Europa? Lasse ich die Wut in mir zur Kraft werden, die sich einsetzt für andere, die sich zeigt in Zivilcourage, Engagement und Mitgefühl?
|