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Aufgewachsen bist Du in Oberösterreich, von Attersee und Steyr hast Du oft gesprochen, mit Deiner Mutter und Deiner Schwester und ihrer Familie warst Du sehr verbunden. Deine Schulausbildung, einschließlich der LBA, hast Du in Linz absolviert. Als junge Hauptschullehrerin hast Du im Mühlviertel und im Traunviertel erste Berufserfahrungen gesammelt. Eine Mitschwester, die damals Schülerin in der Hauptschule Haid war, erinnert sich: „Es hat ganz großen Eindruck auf mich gemacht, dass die Frau Lehrerin mit den Schülern der zweiten Klasse vor Weihnachten Kekse gebacken und kleine Christbäumchen verziert hat, um damit bedürftige alte Leute zu beschenken. Ich wäre gerne in dieser Klasse gewesen. Später hat es geheißen: Frau Fachlehrerin Patreider geht ins Kloster nach Wernberg. Da habe ich auch gewusst, wohin mein Weg gehen wird, denn ich wollte ebenfalls ins Kloster gehen, hatte mich damals aber noch nicht entschieden in welches.“ Zum Unterricht bist Du mit dem Bus nach Traun gefahren, die langen Wartezeiten nach Schulschluss hast Du meistens in der Kirche verbracht. Einmal war es so kalt, dass Du Dich in den Beichtstuhl gesetzt hast. Der Mesner hat beim Zusperren der Kirche niemanden gesehen und Du hast eine Nacht in der Kirche verbringen müssen. Am 10. März 1952 bist Du in Wernberg eingetreten, ein Jahr später als Du gewünscht hast, weil Dein Vater plötzlich gestorben war. Am 3. Mai 1954 hast Du Deine Erste Profess gemacht. Es war damals üblich, dass man an diesem Tag erfahren hat, für welche Aufgaben man ausgewählt war. Du hast Deine Bestimmung für Tanzania bekommen. Nach einer Vorbereitungszeit im Mutterhaus bist Du am 8. Dezember 1954 von Venedig aus mit dem Schiff nach Mombasa gefahren und dort am 21. Dezember angekommen. Auf Grund von Missverständnissen war niemand da, um Dich abzuholen. So hast Du mit dem Bus von Dar es Salaam nach Kifungilo fahren müssen, hast aber kein Geld bei Dir gehabt, weil das damals für Schwestern nicht üblich war. Es ist Dir jemand zu Hilfe gekommen, aber es war bestimmt eine schlimme Erfahrung für Dich am ersten Tag in einem unbekannten Land. In Kifungilo warst Du vier Jahre lang als Lehrerin tätig, daneben warst Du verantwortlich für eine Internatsgruppe von 20 Buben. In Deinem großen Missionseifer hast Du sogar ein vermeintlich sterbendes muslimisches Kind getauft. In dieser Zeit hast Du auch gelernt, Schlangen zu jagen, denn die Türen der Zimmer gingen ins Freie und Du musstest nachts oft zu den Kindern. Nach zwei Jahren in Kibosho in einer Mädchenschule wurdest Du als Noviziatsleiterin nach Nairobi/Riruta gerufen. 1964 wurdest Du Direktorin in Deiner ersten Schule in Kifungilo. In diesem Jahr ist in Wernberg die Novizenmeisterin Sr. Bernardis gestorben. Kurz zuvor bist Du auf Heimaturlaub nach Österreich gekommen und bald die Nachfolgerin von Sr. Bernardis geworden. Du warst sehr gerne in Afrika, daher wird das Ja zu dieser neuen Aufgabe gewiss nicht leicht gewesen sein. Bei einem Spaziergang mit einer Mitschwester ist deutlich geworden, wie sehr Du mit Deinen Gedanken in Afrika warst: Beim Gasthaus Fruhmann seid Ihr einem Herrn begegnet. Du hast Deine Mitschwester auf ihn aufmerksam gemacht, indem Du gesagt hast: „Schauen Sie, ein Weißer“. Am 7. Oktober 1964, am Rosenkranzfest, haben Dich Deine neuen Schutzbefohlenen freudig, aufgeregt, neugierig und erwartungsvoll in Wernberg begrüßt. Eine Kandidatin hat Dich zuvor mit dem Leiterwagerl beim Fruhmann abgeholt. Ihr habt es nicht immer leicht miteinander gehabt, Deine Novizinnen waren keine afrikanischen Schülerinnen und haben manche Anordnung und Haltung unverständlich gefunden. Es war außerdem die Zeit des Umbruchs während des II. Vatikanischen Konzils und Dir war auch klar, dass die alte Form des Noviziats überholt war. Das Suchen und Ringen hat Dir gewiss viele schlaflose Nächte bereitet, denn die Erwartungen der Gemeinschaft und der Neueintretenden waren groß und die daraus entstandenen Spannungen haben sicher viel Kraft gebraucht. Zum Glück hast Du Dir bei Professor Hansemann, P. Josef Müllner SJ und P. Berthold Mayr CMM Rat holen können. Mit manchen Neuerungen im Noviziat hast Du verschiedene Schwestern vor den Kopf gestoßen, ja, das Weggehen relativ vieler Kandidatinnen ist Dir zur Last gelegt worden. In Deinem unbedingten Vertrauen auf Gottes Führung wirst Du das alles ertragen und ausgehalten haben, denn Du hast Deinen Novizinnen glaubhaft vermittelt, dass ein „Mehr“ an Aktion ein „Mehr“ an Kontemplation braucht. Von 1972 bis 1976 warst Du zusammen mit P. Pilz SJ verantwortlich für das Studenten-Freizeitheim in Klagenfurt, danach hast Du Dich noch einmal auf die Schulbank gesetzt, in Graz die Religionslehrer-Ausbildung gemacht und bis zu Deiner Pensionierung Religion unterrichtet. Daneben hast Du von 1980 an bei MISSIO mitgearbeitet, bei der Christkönigskirche eine Frauengruppe aufgebaut und das Anliegen „Mission“ immer und überall bekannt gemacht. So auch 1990 mit der Gründung der Gemeinschaft missionarischer Freunde (GMF) in Wernberg. In der Pension hast Du die Zusammenarbeit mit MISSIO und Pfarrer Roman Leitner, der am 23. März dieses Jahres gestorben ist, noch ausgebaut und mit viel Kreativität Aktionen für Projekte mitentwickelt. 1991 hast Du die Gewinner einer solchen Aktion nach Tansania begleitet. Die Frucht dieser Reise waren die „Friends of Kia“, später wurden daraus die „Friends of Sanja Juu“, mit denen Du wahrhaftig viel bewegt hast: Kindergarten, Schulen, Internat, Lehrerwohnungen, ein Schwesternhaus, Förderung mittelloser Schülerinnen. Ein Mitglied Deiner Friends hat es so gesagt: „Ist das nicht widersprüchlich? Da ist eine Schwester, die persönlich nichts besitzt, und doch so viel Geld ins Rollen bringt, so viele Projekte auf die Beine stellt, so vielen Jugendlichen eine solide Ausbildung ermöglicht.“ Du würdest natürlich sofort antworten, dass das alles ohne Deine frühere Selbstbesteuerungsgruppe und jetzigen Verein „Friends of Sanja Juu“ nie möglich gewesen wäre. Das stimmt auch, aber Deine Hartnäckigkeit, die manchmal auch anstrengend für uns war, und Dein beharrlicher Charme haben vieles möglich gemacht. Du hast Dich durch keine Schwierigkeit einschüchtern lassen und in allem auf Gottes Hilfe und auf die Hilfe Deiner Freunde und Deiner Mitschwestern vertraut. Der Umzug in die Gemeinschaft von Wernberg im Jahr 2002 ist Dir am Anfang nicht leicht gefallen. Doch Du hast mit Deinem missionarischen Geist das Gemeinschaftsleben mitgestaltet und mit wachem und kritischem Interesse das Geschehen in Kirche und Welt wahrgenommen und hinterfragt. Voller Eifer hast Du in relativ hohem Alter den Umgang mit dem Computer erlernt. Damit hast Du mit den Projektpartnern in Tanzania in Kontakt bleiben können, hast mit Rundmails die Freunde mit Informationen versorgt, Bittgesuche und Anträge an Organisationen verfasst und Dankesbriefe an Wohltäter, ehemalige Schüler und an Schulklassen geschrieben. Wenn etwas Zeit war zwischendurch, hast Du Dich Deiner allerliebsten Beschäftigung gewidmet: dem Sternenhimmel. Du hast so viele Sternbilder gekannt und uns oft auf wunderschöne Konstellationen am Nachthimmel aufmerksam gemacht. Mit Hilfe des Computers bist Du in die Tiefen des Weltalls vorgedrungen und hast Deinem Staunen über die unendliche Schönheit der Gestirne mit Hilfe von Psalmversen Ausdruck gegeben und die Schönheit und Größe Gottes gepriesen. Jetzt bist Du dieser Schönheit sicher sehr nahe und kannst aus ganzem Herzen in den Lobpreis darüber einstimmen. Sr. Josefi, wir danken für das Beispiel Deines Lebens. |