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Wernberg+alt

Am 21.2.2010 konnten wir dankbar mit einer feierlichen Laudes und einer kleinen Gemeinschaftsfeier

am Abend auf 75 Jahre Kloster Wernberg

zurückschauen.

Am 21.2.1935 war der Kaufvertrag unterschrieben worden, wie es uns ein Auszug aus der Chronik 1935 berichtet:

 

 

 

Chronik 1935

 

Unser schönes, althistorisches Schloss war am 21.II.1935 in den Besitz unserer Genossenschaft gelangt. Lange Zeit und viel war schon gebetet und der Himmel bestürmt worden, dass wir in Deutschland endlich einmal etwas passendes für ein deutsches Mutter- und Noviziatshaus finden würden. Einige Male wäre es auch fast zum Ankauf eines Hauses gekommen, doch musste jedesmal aus verschiedenen Gründen davon abgesehen werden.

Im Herbst 1934 wurde im Mutterhaus Heilig Blut bei Tisch die Lebensbeschreibung unseres Stifters, des Abtes Franz Pfanner vorgelesen. Seine bewunderungswürdige Ausdauer und seine Opfer-bereitschaft bei seinen schwierigen Unternehmungen trösteten unsere Vorgesetzten bei den vielen Misserfolgen, gaben ihnen aber auch neuen Mut und Gottvertrauen, auch wurden auf diese Weise ihre Blicke nach Österreich gelenkt. Sollte dort nicht auch unsere Genossenschaft Wurzel schlagen! Aber bis jetzt hatten wir zu Österreich keine Beziehungen; dazu kam die weite Entfernung vom Mutterhaus. Dessen ungeachtet beteten unsere Schwestern eifrig zum Vater Stifter, er möge uns doch zum 50jährigen Bestehen unserer Genossenschaft ein Haus in Österreich verschaffen. Schließlich wurde eine Novene gehalten. Diese war noch nicht beendet, als ein Brief von Hochw. Pater General der Mariannhiller Väter, Pater Reginald Weinmann eintraf mit der Mitteilung, dass sie in Kärnten ein Haus erworben hätten und noch ein Objekt wüßten, das für uns geeignet erschien, falls wir uns in Österreich niederzulassen gedächten. Dieser Brief war wie ein Fingerzeig vom Himmel und es schien, dass unser Vater Stifter unserer Genossenschaft durch seinen Nachfolger den Weg nach Österreich bahnen wollte.

Die Generalleitung beschloss, das Gut in Augenschein zu nehmen und so reisten Würdige Mutter M. Ebba,* derzeitige Generaloberin, und die Generalprokuratorin, M. Tertula,** am 15. I. 1935 nach Österreich ab. – Das Schloss und das ganze Gut gefiel den Vorgesetzten und sie fanden es zweckentsprechend für ein österreichisches Noviziatshaus. Es gab nun verschiedene Verhandlungen hin und her bis man sich schließlich einigte, dass am 21. II. 1935 der Kaufvertrag vor dem Rechtsanwalt abgeschlossen werden soll. Die Kaufsumme betrug 322 000,- S.

<1995 wären das ATS 10 674 033,14 gewesen und im Jahre 2002 € 775 712,23> ***

Umgehend reisten nun die beiden Vorgesetzten zurück nach Holland, um dort das nötige Geld zu bekommen. –

Nun hieß es vor allem auch, für das neue Kloster in Wernberg die nötigen Schwestern auszusuchen. Das war keine leichte Aufgabe bei unserem großen Mangel an Kräften. Aber es mußten verschiedene Häuser das Opfer bringen und Schwestern abgeben und so waren bald 10 Schwestern reisefertig. Am 18. II. reisten Würdige Mutter, Mutter Tertula und noch 4 Schwestern <Sr.Flamina Huck, Sr.Bartholomäa Guck, Sr.Melitina Lichtenbereg, Sr.Juvenalis Zloklikovicz> ab, während die andern einen Tag später folgten <Sr.Notburga Emunds>

Diese Reise wird wohl allen unvergeßlich bleiben, denn alle Schwestern hatten an der deutsch-österreichischen Grenze (Salzburg) ein ganz eigenes Erlebnis. Gerade zu dieser Zeit waren in Deutschland viele Ordensleute wegen Übertretung der Devisengesetze in Haft genommen worden und an der Grenze wurden überall strenge Durchsuchungen vorgenommen. So auch bei unseren Reisenden. Alles Gepäck, Handbeutel, alles wurde aufs genaueste visitiert und schließlich wurde auch noch eine persönliche Untersuchung der Schwestern vorgenommen.

Da die Schwestern aber nicht mehr als die erlaubten M 10,- bei sich hatten, konnten sie nach einem längeren, unliebsamen Aufenthalt weiterreisen. –

Vom Personal des Schlosses wusste niemand etwas von der Ankunft der Schwestern. Der Besitzer hatte nur angeordnet, dass Zimmer zu richten seien für größeren Besuch. Sehr groß war somit am Morgen das Erstaunen, als die Schwestern auf einmal da waren, als die neuen Besitzer von Schloss Wernberg. Da Hochw. P.Kanisius CMM von Hochw. P.General schon einen Tag vorher nach Wernberg geschickt worden war, um den Schwestern beim Kaufabschluss und der Übernahme behilflich zu sein, so hatten sie gleich am 1. Tag ihres Hierseins das Glück, der hl. Messe beiwohnen und die hl. Kommunion empfangen zu können und zwar in dem notdürftig eingerichteten, sich in schlechtem Zustand befindlichen Schlosskapellchen <im Bereich des jetzigen Bügelzimmers im Parterre des Schwesternhauses>, welches der hl. Notburga geweiht war.

 

<Chronistin: Sr.Ethelberta Bernstein>

 

Nun begann im ganzen Haus ein gar mutiges Schaffen und Reinigen und zwar galt die erste Sorge, dem Heiland eine etwas würdigere Wohnung zu bereiten. Mit Erlaubnis des Hochw. Herrn Generalvikars, der den erkrankten Hochwst. Herrn Fürstbischof <Dr.Adam Hefter> vertrat, wurde in unserem großen Saal des Schlosses die Kapelle neu eingerichtet und schon am 4. Tage konnte dort hl. Messe gelesen werden. Es war ja seit etwa 150 Jahren, dass nun das ewige Lichtlein in diesem Hause wieder Zeugnis gab von der Gegenwart Christi, der im neuen Kloster Zentrum und Kraft- und Gnadenquelle für alle sein sollte. Am 10. 3. war dann der erste Geisteserneuerungstag im neuen Kloster, das an dem Tage durch den Rektor Hochw. P.Dominikus Sauerland R.M.M. eingesegnet wurde. Die Einweihung selbst wurde auf später verschoben. – Noch immer weilten Würdige Mutter und Mutter Tertula hier und halfen überall mit, das Haus einzuteilen und einzurichten. Doch nur zu bald sollte die Abschiedsstunde schlagen. Am 21. III. reisten die beiden Vorgesetzten wieder nach Holland zurück und ließen Schwester Notburga der kleinen Gemeinde als Oberin zurück.

Mit dem kommenden Frühjahr begann für die Schwestern ein gar emsiges Arbeiten und Schaffen, denn die kleinen Gärtchen um das Haus, der große Gemüsegarten gegenüber dem Schloss und die vielen Felder waren in ziemlich vernachlässigtem Zustand und somit überall fleißige Hände nötig. Für die viele Arbeit waren allerdings der Kräfte viel zu wenig, doch man hoffte, dass der liebe Gott dem Hause bald Berufe zuführen würde, sollte doch das österreichische Postulat und Noviziat eröffnet werden, sobald es möglich war.

Zur allgemeinen Freude, kam dann am 15. Mai auch schon die erste Kandidatin, ein Kind aus den Tiroler Bergen. Ihr folgten in kurzer Zeit zwei Postulantinnen aus Hl. Blut, welche in der frischen Wernberger Bergesluft für ihre geschwächte Gesundheit neue Kräfte sammeln sollten. Auch an Schwestern wurde vom Mutterhaus in Holland noch Nachhilfe gesandt und so kamen in den Sommermonaten noch 3 Schwestern. Es war das auch wirklich eine Notwendigkeit, denn zu der vielen Arbeit kamen während der Monate Juni, Juli, August und September auch noch Sommergäste. Aber der liebe Gott hat seinen Segen reichlich gegeben und den Schwestern geholfen, dass sie mit allem fertig wurden, ja noch mehr, sie hatten das Haus immer besser in Ordnung gebracht, sodass Würdige Mutter bei ihrem nächsten Besuch im Oktober sagen konnte, es sei tatsächlich viel gearbeitet und geleistet worden.

Der 6. Juli brachte dem Hause hohen Besuch.

Msgr. Fleischer, Bischof von Mariannhill, kam in Begleitung des Hochwürdigsten Herrn Weihbischof von Klagenfurt. Msgr. Fleischer war für unser Haus sehr interessiert, und blieb bis zum nächsten Tag.

Unter vielen Mühen, Arbeiten und Sorgen ging der Sommer dahin, denn die große Ökonomie stellte an die wenigen Schwestern große Anforderungen, zumal das Personal nicht sehr zuverlässig war und die Schwestern überall dabei sein mussten. Aber mit Gottes Hilfe wurde die Ernte, die eine überaus reichgesegnete war, doch gut eingebracht.

Der Herbst hatte für die Schwestern wieder eine Freude bereit, nämlich den Besuch der lieben Würdigen Mutter. Sie kam am 2. Oktober in Begleitung von Schwester Ethelberta <Bernstein> an.

4 Wochen weilte Würdige Mutter dann in unserer Mitte, in welche Zeit die feierliche Einweihung des Hauses verlegt wurde. Zur größten Freude der ganzen Gemeinde sagte Seine Excellenz, der Hochwürdigste Herr Fürstbischof von Gurk, Dr. Adam Hefter, zu, selbst die Feier vornehmen zu wollen. Außerdem nahmen noch 10 geistliche Herren und 7 Herren der weltlichen Behörde die Einladung an. Die Einweihungsfeier verlief recht schön. Der Hochwürdigste Herr Fürstbischof hielt eine sehr herzliche Ansprache, in der seine große Freude über die Errichtung des Missionshauses zum Ausdruck kam. Darnach ging er, angetan mit Mitra und Stab, segnend durch die stillen Klosterräume, gefolgt von den Schwestern und den Festgästen. Nach der Einsegnung versammelten sich letztere im Festsaal zum Souper, wo sie dann bis zum Aufbruch gemütlich zusammen saßen. Gott sei Dank hat überall, so auch in der Küche, an diesem Tage alles gut geklappt, sodass sowohl die Gäste als auch die Schwestern an diesem Tage recht befriedigt waren. Nur eine hatte großes Herzeleid, unsere lb. Schwester Flamina, welche die Hühner zu betreuen hatte. Während alles im Hause darauf bedacht war zu helfen, wo zu helfen war, hatte „Cäsar“, unser Hofhund, in der Meierei einen guten Tag. Er war frei und hat diese Freiheit gut benützt, in dem er 5 Hühnern den Garaus machte. Als Sr. Flamina davon am Abend Kenntnis erhielt, wollte der Tränenstrom fast nicht mehr versiegen und für sie wird somit der Tag der Einweihung infolgedessen erst recht unvergesslich sein, denn die Zahl ihrer Hühner war nun auf 4 reduziert worden.

Am nächsten Tag, nachts um 12 Uhr, reiste Würdige Mutter mit Mutter Tertula wieder ab nach Heilig Blut. Sie ließen Schwester Ethelberta einstweilen als stellvertretende Oberin zurück. Schwester Notburga hatte nämlich schon einige Monate vorher gebeten, von dem Pöstchen frei gemacht zu werden und war gelegentlich eines Besuches von Mutter Paula <Emunds> mit dieser nach Holland zurückgekehrt.

Der Dezember brachte für die Schwesterngemeinde schon gleich zu Anfang wieder einen frohen und gnadenreichen Tag. Am 8., dem Feste der „Unbefleckten Empfängnis“, wurde nämlich die sogenannte Königinfeier vorgenommen, wie das im Mutterhaus und den andern Häusern der Genossenschaft im vorigen Jahr der Fall war. Diese Königinfeier bedeutet eine ganz besondere Weihe an die liebe Mutter Gottes, wobei diese als Königin und Herrin der betreffenden Gemeinde ernannt und ihr als solche gehuldigt wird. Nun war das Kloster in besonderer Weise dem Schutze der lieben Himmelskönigin anvertraut und empfohlen und alle haben das feste Vertrauen, dass diese gütige, stets hilfsbereite Mutter über all die Schwierigkeiten und Nöten des Anfangs hinweghelfen wird.

 

<Chronistin: Sr.Juvenalis Zloklikovicz cps)

 

*   Sr.M.Ebba Tirpitz, Generaloberin von 1931 - 1959

** Sr.M.Tertula Schmitz, Generalprokuratorin von 1931 – 1967

*** <kursiv> alle diese Stellen wurden bei der Abschrift im Jahre 2002 von Sr.Gregoria Weissen eingefügt.